Bandspeicher für Europas Supercomputer
Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) stand vor einer großen Aufgabe: Für die Supercomputing-Anlage am Jülich Supercomputing Centre (JSC) musste die Archiv- und Backup-Infrastruktur massiv ausgebaut werden. Das Ziel des Projekts ExaTAPE war es, mehr Kapazität und Geschwindigkeit für das primäre Speichersystem des ersten europäischen Exascale-Rechners JUPITER zu schaffen.
Die neuen Bibliotheken mussten gezielt darauf ausgelegt werden, eine hohe Anzahl an Laufwerken und Bandmedien aufzunehmen, um die gewaltigen Datenmengen des Exascale-Rechners souverän zu bewältigen. Eine der wichtigsten Anforderungen war zudem die nahtlose Einbindung in die bestehende Infrastruktur aus 18 „IBM Storage Protect“-Servern und der vorhandenen Fibre-Channel-SAN.
Unsere Lösung: Skalierbare Archivierung mit IBM TS4500
Um maximale Speicherkapazität zu realisieren, haben wir zwei IBM TS4500 Tape Libraries implementiert. Ein Vorteil dieses Systems ist seine hohe Flexibilität bei der Auswahl der Laufwerkstechnologien. Eine automatische Prüfung der Datenträger kann außerdem dafür sorgen, dass die archivierten Daten auch nach Jahren noch sicher lesbar sind.
Bei ExaTAPE wird das System in zwei getrennten Brandabschnitten betrieben. Hier kommen moderne LTO-9-Laufwerke zum Einsatz, die Datentransferraten von bis zu 400 MB/s ermöglichen. Dabei erfolgt die Datensicherung mindestens zweifach – entweder kombiniert auf Festplatte und Tape (Backup) oder redundant auf zwei Tapes (Archiv).
Was bietet ExaTAPE
- Ausfallsicherheit: Durch die „High Availability“-Option arbeiten in jedem System zwei Roboterarme parallel. Sollte einer ausfallen, übernimmt der andere sofort – der Betrieb läuft einfach weiter.
- Enorme Kapazität: Wir haben insgesamt 11 Frames mit über 23.500 Slots installiert. Zusammen mit den 20.500 gelieferten LTO-9-Medien stehen dem Kunden nun 369 PB nutzbarer Speicher zur Verfügung.
- Flexibilität: Das integrierte Management-System erlaubt es dem Team vor Ort, logische Archive dynamisch zu erstellen und zu verwalten. So bleibt die Infrastruktur auch für künftige Aufgaben anpassbar.
Mitte Januar 2025 haben wir das zweite und letzte System übergeben. Wir freuen uns sehr, dass wir bereits das dritte Tape-Projekt für das Forschungszentrum Jülich erfolgreich begleiten durften.
Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist Verlässlichkeit entscheidend. Weil wir schon lange mit pro-com DATENSYSTEME zusammenarbeiten, wussten wir von vornherein, dass das Team sofort versteht, worauf es bei Supercomputern ankommt. Das hat sich beim ExaTAPE-Projekt mal wieder bestätigt: Die Technik wurde ohne Umwege in unser System integriert.
(Stephan Graf, Lead of Operations & Development Team Storage Systems, Jülich Supercomputing Centre, Forschungszentrum Jülich)
Warum Bandspeicher weiterhin wichtig sind
Manche halten Magnetbänder für alte Technik, doch das Gegenteil ist der Fall. Gerade wenn es um riesige Datenmengen geht, ist das Tape unschlagbar:
- Kosteneffizienz: Kein anderes Medium speichert Petabytes an Daten so günstig und verbraucht dabei so wenig Energie, da die Bänder im Regal keinen Strom benötigen.
- Langlebigkeit: Richtig gelagert halten Daten auf Bändern 30 Jahre und länger.
- Sicherheit: Ein Band im Regal ist offline („Air Gap“). Das ist der beste Schutz gegen Ransomware und Hackerangriffe, da auf diese Daten aus der Ferne nicht zugegriffen werden kann.
Fazit: Überall dort, wo man selten auf Daten zugreifen muss – wie im Archiv oder beim Backup –, ist die Tape-Technologie wirtschaftlich die vernünftigste Lösung. Wenn es um die Gesamtkosten (TCO) geht, ist sie für große Datenmengen schlicht unschlagbar.